Dienstag, Oktober 24, 2006

Alles Taktik, oder was?


Von Malte Lehming

Keiner freut sich mehr über den deutschen Atomausstieg als Wladimir Putin. Schon jetzt ist Deutschland abhängiger von Russlands Energielieferungen denn je. Falls es nicht gelingt, die Atomkraft bis 2020 komplett durch Sparen und regenerative Energien zu ersetzen – woran sich zweifeln lässt –, wird diese Abhängigkeit noch größer. Früher drohte Moskau mit Raketen, heute hat es seine Rohstoffe. Ganz grob gesagt, lässt sich daher das Verhältnis der deutschen Parteien zu Russland, Putin und Gasprom auf einen Nenner bringen: Wer unbedingt am Atomausstieg festhalten will, wie Grüne, SPD und Linkspartei, ist beim Thema Menschenrechte eher kleinlaut. Wer die Laufzeiten für Kernkraftwerke verlängern, eventuell sogar neue bauen lassen will, wie Union und FDP, hat dagegen weniger Skrupel, in Richtung Moskau deutliche Worte zu formulieren.

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