Entwaldung führte nicht in die Katastrophe

Von Daniel Bächtold
Die Zivilisation der Osterinsel versank nicht im Chaos, wie der Erfolgsautor Jared Diamond schreibt. Und Ratten waren für die Entwaldung wahrscheinlich mitverantwortlich.
Der amerikanische Erfolgsautor und Geograf Jared Diamond inszeniert die Geschichte der Osterinsel in seinem Bestseller «Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen» als eine hausgemachte, ökologische Katastrophe. Gemäss Diamond und anderen Forschern kamen die ersten Menschen etwa im Jahr 800 auf die Insel. Sie legten Gärten an und begannen ums Jahr 1200, den Palmenwald auf der Insel grossflächig zu roden. Wegen der Entwaldung und ihrer unmittelbaren Folgen kam es zu einer Hungersnot, zu Bürgerkrieg und Kannibalismus.
Mit zwei Beiträgen in namhaften Fachzeitschriften greift nun aber der Archäologe Terry Hunt von der University of Hawaii mehrere zentrale Punkte in Diamonds Argumentation an. «Ich mache mir ebenfalls Sorgen um den Zustand unserer Umwelt», sagt Hunt. Der Niedergang der Osterinsel sei aber nicht eine Folge von ökologischem Selbstmord, sondern Genozid gewesen.
Was sich vor der Ankunft der Europäer im Jahr 1722 auf der Osterinsel genau zugetragen hatte, lässt sich wahrscheinlich niemals bis ins letzte Detail rekonstruieren. Sicher ist lediglich, was nachher kam: Krankheiten, christliche Missionare und Sklavenhändler. In den Jahren 1862/1863 verschleppten peruanische Sklavenschiffe 1500 Menschen, die Hälfte der damaligen Bevölkerung. 1872 – 150 Jahre nachdem der erste Europäer an Land gegangen war – lebten noch 110 Polynesier auf der Insel.
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